Am 30. April 2026 hat die Kunstwelt einen ihrer größten Vertreter verloren: Georg Baselitz, der mit seinen expressiven und oft provokanten Arbeiten immer wieder für Gesprächsstoff sorgte, verstarb im Alter von 88 Jahren. Sein Erbe wird jedoch weiterleben, und das nicht zuletzt durch eine ganz besondere Ausstellung, die bereits für das Pfingstwochenende (22. bis 25. Mai 2026) in der Seemannskirche in Prerow geplant ist. Dort wird sein beeindruckendes Werk „Mein Vater sieht einen Engel“ zu sehen sein – ein Gemälde von stolzen drei mal vier Metern, das auf einem Foto seines Vaters am Strand von Prerow basiert und in der Familiengeschichte des Künstlers verwurzelt ist.
Die Seemannskirche selbst, ein historisches Bauwerk aus der Schwedenzeit, feiert in diesem Jahr ihr 300-jähriges Bestehen. Susan Knoll vom Förderverein der Kirche hat die Ausstellung initiiert und konnte Baselitz überzeugen, sein Werk kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Die Ausstellung wurde auf 72 Stunden begrenzt, um die hohen Kosten für Sicherheit und Transport zu minimieren. Eintrittsgelder wurden keine erhoben; stattdessen wurden Spenden gesammelt, um die Kirche zu unterstützen. Zudem stellte Baselitz 25 hochwertige, handsignierte Kunstdrucke seines Gemäldes zur Verfügung, die ebenfalls verkauft werden sollen.
Einmalige Verbindung zur Heimat
Für Baselitz war Prerow mehr als nur ein Ort – es war ein Teil seiner Kindheit. Die Erinnerungen an die Urlaube seiner Familie, die dort oft Zeit verbrachte, sind tief in seinem künstlerischen Schaffen verankert. Die Seemannskirche spielte dabei eine besondere Rolle, und das Gemälde, das jetzt ausgestellt wird, ist eine Hommage an genau diese Zeit. Es ist die erste Ausstellung des Werkes seit 2016, und das Gemälde selbst wurde bereits 1997 im Residenzschloss Dresden erstmals gezeigt. Es hat also eine bewegte Geschichte hinter sich, die nun in der beschaulichen Umgebung von Prerow weitergeschrieben wird.
Die Seemannskirche, erbaut zwischen 1726 und 1728, ist nicht nur ein architektonisches Juwel, sondern auch ein Ort, der generationsübergreifend Geschichten erzählt. Die Verbindung von Kunst und Geschichte ist hier besonders spürbar. Während des Ausstellungszeitraums wird der feine Sandstrand von Prerow und die moderne Seebrücke mit ihrem Inselhafen zum Schauplatz für Kunstliebhaber und Besucher, die sich von der Magie dieses Ortes verzaubern lassen wollen.
Ein Leben für die Kunst
Georg Baselitz, geboren als Hans-Georg Bruno Kern am 23. Januar 1938, gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler Deutschlands. Seine Werke sind geprägt von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, was sich in den Themen Zerstörung und Erinnerung widerspiegelt. Besonders markant ist sein Stil, den er ab 1969 entwickelte, indem er seine Bilder auf dem Kopf malte – eine Technik, die ihm zum Durchbruch verhalf. Diese Art der Darstellung hat nicht nur seine eigene Wahrnehmung der Welt revolutioniert, sondern auch das Publikum herausgefordert.
Sein Einfluss erstreckt sich von den sowjetischen Illustrationen über manieristische Druckgrafiken bis hin zu afrikanischen Skulpturen. Baselitz war ein Künstler, der stets die Grenzen der Konventionen hinterfragte und neu definierte. Seine Leidenschaft für die Malerei und seine radikale Herangehensweise machten ihn zu einem gefragten Künstler, der sogar 2024 auf dem dritten Platz der nachgefragtesten lebenden Künstler rangierte. Das, was er hinterließ, sind nicht nur Bilder, sondern ein ganzes Gefühl für die Kunst und die Welt, in der wir leben.
Die kommende Ausstellung in Prerow ist nicht nur eine Hommage an einen großen Künstler, sondern auch eine Feier des Lebens und der Erinnerungen, die uns alle verbinden. In den ehrwürdigen Mauern der Seemannskirche wird Baselitz‘ Werk in einem Kontext präsentiert, der seine familiären Wurzeln und die Schönheit eines Ortes vereint, der für ihn so viel bedeutete. Ein Grund mehr, sich dieses einmalige Erlebnis nicht entgehen zu lassen.