Heute ist der 13.05.2026, und in Schleswig-Holstein gibt es mal wieder Neuigkeiten, die uns in Norddeutschland beschäftigen. Hantavirus-Erkrankungen sind hier registriert worden, allerdings mit einem weniger gefährlichen Virentyp als dem, der zuletzt für Aufregung auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ sorgte. Professor Helmut Fickenscher, ein ganz großer im Bereich Medizinische Mikrobiologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, hat die aktuelle Situation beleuchtet.
Seit dem Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001 wurden in Schleswig-Holstein insgesamt 154 Hantavirus-Infektionen gemeldet. Im Jahr 2024 gab es drei Meldungen, im darauffolgenden Jahr vier, und heuer stehen wir bislang bei zwei Fällen – jeweils ein Fall im Januar und Februar. Es handelt sich hierbei meist um den Dobrava-Typ, der nicht mit der hohen Sterblichkeit anderer Hantavirus-Typen verglichen werden kann, die in den USA vorkommen. Dort sind die Viren weitaus gefährlicher, und das auf dem Kreuzfahrtschiff nachgewiesene Andesvirus hat zudem die Fähigkeit, von Mensch zu Mensch übertragen zu werden.
Die Gefahren des Hantavirus
Die Gefahr, sich in Deutschland mit dem Andesvirus zu infizieren, ist „extrem niedrig“. Hierzulande könnte man zwar auf den Dobrava- oder Puumula-Typ treffen, aber diese haben eine sehr niedrige Sterblichkeit. Passagiere auf Kreuzfahrtschiffen müssen sich also keine besonderen Sorgen über Hantaviren machen. Vielmehr sollten sie auf andere Viren wie Noroviren oder Sars-Cov-2 achten. Ein bisschen Vorsicht ist dennoch angebracht: Menschen sollten sich von wilden Nagetieren fernhalten und das Einatmen von trockenen Ausscheidungen dieser Tiere vermeiden. Vor allem das Kehren und Reinigen von wenig genutzten Räumen kann Risiken bergen, da hier der trockene Urin und Kot von Nagetieren aufgewirbelt werden könnte.
Hantavirus-Infektionen können in verschiedenen Formen auftreten. Einmal gibt es das hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) und das (kardio-)pulmonale Syndrom (HPS/HCPS). Während HFRS mit hohem Fieber, Schüttelfrost und Rückenschmerzen einhergeht, beginnt HPS/HCPS abrupt mit hohem Fieber und Atemnot. Die Letalität bei PUUV-Infektionen liegt unter 0,1%, während sie bei DOBV-Infektionen zwischen 0,3 und 0,9% schwankt.
Vorsichtsmaßnahmen und Informationen
Die jährliche Inzidenz von Hantavirus-Infektionen in Deutschland liegt im Schnitt bei 1,3 Fällen pro 100.000 Einwohner. Ein Hoch gibt es alle zwei bis drei Jahre, wenn in bestimmten Regionen wie der Schwäbischen Alb oder dem Bayerischen Wald die Zahlen ansteigen. Die Übertragung von Hantaviren erfolgt durch Inhalation von Aerosolen oder durch Kontakt mit kontaminierten Materialien. Das Robert Koch-Institut (RKI) stellt regelmäßig Ratgeber zur Verfügung, die auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. Diese sind speziell für Fachkreise wie Ärztinnen, Ärzte und den Öffentlichen Gesundheitsdienst gedacht. Übrigens kann man die RKI-Ratgeber auf deren Webseite abrufen.
Die Diagnostik erfolgt in der Regel serologisch, das bedeutet, dass IgM- und IgG-Antikörper nachgewiesen werden müssen. Eine Therapie ist meist symptomatisch – manchmal ist eine intensivmedizinische Betreuung erforderlich. Besonders wichtig ist die Expositionsprophylaxe als Maßnahme zur Verhütung von Hantavirus-Infektionen. Wer Verdachtsfälle oder Erkrankungen meldet, muss dies innerhalb von 24 Stunden dem Gesundheitsamt mitteilen.
Die Hantaviren, die wir in Deutschland vorfinden, sind weltweit verbreitet und haben verschiedene geografische Verteilungen. Die bekanntesten Virustypen sind das Hantaanvirus, das Puumalavirus, das Dobrava-Belgrad-Virus, das Seoulvirus, das Sin-Nombre-Virus und das Andesvirus. In Deutschland sind insbesondere das Puumalavirus und eine genetische Variante des Dobrava-Virus vorherrschend. Immerhin macht das Puumalavirus den größten Anteil der gemeldeten Erkrankungen aus.
Jetzt sind wir alle ein bisschen klüger, was die Hantaviren angeht. Und auch wenn es hierzulande nicht so dramatisch wie auf einem Kreuzfahrtschiff zugeht, ist es doch gut zu wissen, was man im Blick behalten sollte. Bleibt gesund und passt auf euch auf!