Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) hat eine bewegte Geschichte, die bis ins Jahr 1900 zurückreicht. Gegründet wurde es als direkte Reaktion auf die Choleraepidemie von 1892 in Hamburg, die eine tragische Anzahl von Menschenleben forderte. Die Gründer hatten ein klares Ziel vor Augen: Die Erforschung von Schiffs- und Tropenkrankheiten sowie die Ausbildung von Schiffs- und Kolonialärzten. Bernhard Nocht, der 1893 das Amt des Hafenarztes übernahm, war eine Schlüsselfigur in diesem Unterfangen.

Heute, im Jahr 2026, ist das BNITM nicht nur ein nationales, sondern auch ein internationales Zentrum für globale Infektionsforschung. Mit mehr als 400 Mitarbeitenden und modernen Hochsicherheitslaboren (Biologische Schutzstufe 4) bietet es eine Plattform für wegweisende Forschungsprojekte. Der Sitz des Instituts in der Bernhard-Nocht-Straße 74, einem Gebäude, das nach den Plänen von Fritz Schumacher errichtet wurde, ist ein Ort des Wissens und des Austauschs.

Forschung und Dienstleistungen

Das BNITM ist eine selbstständige, gemeinnützige Forschungseinrichtung, die 2008 als Stiftung öffentlichen Rechts gegründet wurde. Ihr Stiftungszweck umfasst nicht nur Forschung und Lehre, sondern auch Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie die Beratung und Versorgung in Bezug auf tropentypische Erkrankungen und Infektionskrankheiten. Es ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, was die finanzielle Unterstützung durch öffentliche Mittel sichert. Die fünf Forschungsabteilungen – von Pathogen über Interface bis hin zur Population – decken ein breites Spektrum ab, das von Mikroorganismen und klinischer Forschung bis zur Infektionsepidemiologie reicht.

Das Institut bietet zudem wertvolle Dienstleistungen an, darunter eine Klinische Ambulanz, die in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf betrieben wird. Die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr in der klinischen Tropenmedizin ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Interessierte können hier nicht nur Praktika absolvieren, sondern auch Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten anfertigen. Das strukturierte Doktorandenprogramm in Kooperation mit Universitäten ist ein echter Pluspunkt für angehende Wissenschaftler.

Globale Zusammenarbeit und Engagement

Besonders beeindruckend ist die Rolle des BNITM als nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger und als internationales Referenzlabor für SARS-Coronavirus. Hinzu kommt die Ernennung zum Collaborating Center for Behavioral Research in Global Health (BRIGHT) durch die WHO im Jahr 2023, was die Bedeutung des Instituts für die Verbesserung der globalen Gesundheitsversorgung unterstreicht. Ein Gleichstellungsplan, der seit 2011 besteht, zeigt das Engagement für Vielfalt, während die Mitgliedschaft in der Charta der Vielfalt die Verpflichtung zur Förderung von Diversität bekräftigt.

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In der breiten Palette an Jobangeboten in der tropenmedizinischen Forschung, Bildung und Versorgung finden sich zahlreiche Möglichkeiten für interessierte Talente. Die Ausbildung von Kaufleuten für Büromanagement seit 2012 und die Mitgliedschaft im Netzwerk „Dual-Career Hamburg + der Norden“ zur Unterstützung der Partner von Forschenden sind weitere Highlights des Instituts.

Ein Netzwerk für die Tropenmedizin

Die Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft (DTG), gegründet 1907, hat sich ebenfalls als wichtiges Netzwerk etabliert. Mit knapp 1000 Mitgliedern setzt sich die Gesellschaft aus Humanmedizinern, Veterinärmedizinern und Natur- sowie Sozialwissenschaftlern zusammen. Ziel ist der Austausch und die Förderung von Forschung und Lehre in der Tropenmedizin und Internationalen Gesundheit.

Die DTG beschäftigt sich mit den medizinischen und gesundheitlichen Herausforderungen in den Tropen, Subtropen und Entwicklungsländern. Dabei werden Themen wie klinische Medizin, Hygiene, Mikrobiologie und Epidemiologie behandelt. Die Gesellschaft fördert nicht nur die Fort- und Weiterbildung in Deutschland, sondern auch im tropischen Ausland, und bietet eine Plattform für den Erfahrungsaustausch zwischen In- und Ausland.

Beide Institutionen, das BNITM und die DTG, spielen eine entscheidende Rolle in der Bekämpfung von Krankheiten und der Verbesserung der globalen Gesundheitsversorgung. Sie sind nicht nur eng miteinander verbunden, sondern auch ein Zeichen für das Engagement der Wissenschaft für eine gesunde Zukunft.