Heute ist der 3.06.2026 und die Stimmung auf St. Pauli ist gemischt. Auf der einen Seite hat König Boris gerade sein Buch „FC St. Pauli: Eine Liebeserklärung“ vollendet – ein Werk, das die Leidenschaft und die Höhen und Tiefen des Vereins widerspiegelt. Doch auf der anderen Seite schmerzt der Abstieg des FC St. Pauli aus der 1. Bundesliga, besiegelt durch eine 1:3-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg. Der Verein, der in der vergangenen Saison nur 26 Punkte sammeln konnte, steht nun vor einem gewaltigen Umbruch.

König Boris, ein wahrer St.-Pauli-Anhänger durch und durch, ist enttäuscht, aber nicht am Boden zerstört. Er hat schon schlimmere Zeiten erlebt, als der Verein gegen den Abstieg in die vierte Liga kämpfte. „St.-Pauli-Fans müssen leidensfähig sein“, sagt er, und das ist definitiv kein leerer Spruch. In der Vergangenheit gab es viele Abstiege und knappe Nichtaufstiege, doch die positiven Erlebnisse – wie der legendäre Sieg gegen Bayern München im Jahr 2002 – sind es, die die treuen Anhänger immer wieder aufbauen.

Emotionen und Erinnerungen

Die emotionale Achterbahnfahrt der letzten Saison hat auch bei Spielern wie Kapitän Jackson Irvine und Verteidiger Hauke Wahl Spuren hinterlassen. Nach dem Abstieg waren die Tränen nicht weit. Bei der Feier des Absteigers, die sich wie eine bittersüße Hommage an die Leidenschaft der Fans anfühlte, schwenkten die Anhänger Schals und sangen Lieder – ein Moment, der zeigt, dass die Liebe zum Verein auch in schweren Zeiten ungebrochen bleibt.

König Boris sitzt im Kuchenblock, wo früher die „Schönen und Reichen“ residierten. Er gesteht, dass das Biertrinken und Rumpöbeln dazugehört, während man die gegnerische Mannschaft beschimpft. „Das Stadion am Millerntor ist für uns ein zweites Zuhause“, erklärt er, und auch wenn er sich anständig benehmen möchte, gehört das Bekenntnis zur Leidenschaft einfach dazu. Es ist die Atmosphäre, die die Fans und Spieler verbindet, auch wenn die Zeiten hart sind.

Eine bewegte Geschichte

Der FC St. Pauli hat in seiner Geschichte viel durchgemacht. Ein Benefizspiel gegen Bayern München hat den Verein einst vor dem Bankrott gerettet. In der Kabine lief oft Musik von Fettes Brot – und das nicht nur wegen der Melodien, die die Jungs zum Feiern animieren. König Boris selbst hat 2000 am Millerntor vor 15.000 Leuten auf einem Hiphop-Festival gespielt und erinnerte sich an den 100. Geburtstag des Vereins, bei dem er auftrat. „Fußball und Musik sind untrennbar miteinander verbunden“, sagt er und merkt an, dass Fangesänge oft auf bekannten Melodien basieren.

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Der Abstieg hat das Team um Trainer Alexander Blessin hart getroffen. Eine Sieglos-Serie von zehn Spielen hat dem Verein das Genick gebrochen. Blessin plant nun Gespräche mit dem Team über die Zukunft, während die Spieler, darunter auch der Torhüter Nikola Vasilj, der angekündigt hat, den Verein zu verlassen, sich auf einen Umbruch einstellen müssen. „Wir müssen wieder aufsteigen“, betont Irvine, der bereit ist, seinen Teil dazu beizutragen.

Fankultur und Zusammenhalt

Die Fankultur hat sich seit den Nachkriegsjahren stark verändert. Die Arbeiterschicht dominierte einst sowohl auf dem Rasen als auch auf den Rängen, aber mit der Gründung der Bundesliga und den großen Turnieren hat sich viel gewandelt. Die Ultras und ihre Leidenschaft für den Verein sind heute ein wesentlicher Bestandteil der Fußballkultur. Sie organisieren sich stark und unterstützen ihre Mannschaft 90 Minuten lang mit Gesang und Anfeuerungsrufen, was das Stadion zum Beben bringt.

Während König Boris über seine Erfahrungen spricht, ist klar: Die Liebe zu St. Pauli ist mehr als nur ein Hobby – sie ist eine Lebensart. Auch wenn die Zeiten jetzt schwer sind, bleibt die Hoffnung auf bessere Tage und Aufstiege ungebrochen. Die Emotionen sind tief verwurzelt und die Gemeinschaft stark. Denn egal, ob im Stadion oder beim Feiern nach einem Spiel, die Fans stehen zusammen – und das ist es, was St. Pauli ausmacht.