In den letzten Jahren hat sich in Hamburg eine Sitte eingeschlichen, die für viele Stadtbewohner und Erholungssuchende immer mehr zum Ärgernis wird: Die Graugänse haben sich in Parks und Grünflächen der Hansestadt zahlreich niedergelassen und sorgen dort für ein echtes Dilemma. Die Wiesen, die einst ein Ort der Ruhe und des Genusses waren, sind nun oft stark mit Gänsekot verschmutzt. Das Bezirksamt Hamburg-Nord spricht von einer „gefühlten Zunahme“ der Gänsepopulation, und das kann man an vielen Ecken der Stadt nur bestätigen.
Besonders betroffen sind Wiesen, Gewässer, Sportanlagen und Stege, wo die Gänse in Gruppen unterwegs sind. Während der Mauser, die etwa vier Wochen dauert, sind sie flugunfähig und suchen verstärkt nach Wasser. Marco Sommerfeld vom Naturschutzbund Nabu Hamburg erklärt: „Die Gänse sind Pflanzenfresser und hinterlassen Kot auf den Wiesen, was als unhygienisch wahrgenommen wird.“ Und das ist nicht nur unangenehm – auch das Risiko für Krankheiten, wie die gefürchtete Vogelgrippe, steigt mit der hohen Gänsepopulation. Hundehalter sollten daher ihre Tiere anleinen, um mögliche Gefahren zu minimieren.
Die Graugans in Norddeutschland
Interessanterweise liegt der Verbreitungsschwerpunkt der Graugans in der Norddeutschen Tiefebene. Hier sind vor allem die holsteinische und die lauenburgische Seenlandschaft sowie die Mecklenburgische Seenlandschaft und Fehmarn wichtige Lebensräume. Die Population dieser Gänseart geht zum Teil auf Auswilderungsprojekte zurück, die von den 1960er bis in die 1980er Jahre in Deutschland durchgeführt wurden. Vor dieser Zeit war die Graugans in Westdeutschland nahezu ausgestorben.
Ursprünglich waren Graugänse Wanderer, doch viele der heute in Deutschland lebenden Gänse haben ihr Zugverhalten weitgehend verloren. Während Bestände in Ostdeutschland weiterhin zur Mauser in die Niederlande ziehen, bleibt die Situation in den Städten angespannt. Hier bieten städtische Parks, Gärten und Gewässer attraktive Lebensräume, da die Gänse dort vor natürlichen Fressfeinden und Jagd geschützt sind. Das führt zu einer Zunahme von Trittschäden, Verkotung und dem Abweiden der Vegetation. Ehrlich gesagt, ein echtes Dilemma für die Stadtbewohner.
Ökologische Herausforderungen und Lösungen
Forscher haben sich mittlerweile der Thematik angenommen. Im Botanischen Garten der Universität Hamburg wird beispielsweise das Verhalten und die raumzeitliche Nutzung von Graugänsen sowie Kanadagänsen untersucht. In einem Forschungsprojekt werden verschiedene Bereiche verglichen – einige sind für Gänse gesperrt, während andere ihnen zugänglich sind. Die Methode umfasst die wöchentliche Erfassung von Standort und Verhalten der Gänse sowie die Analyse von Vegetation und Bodenproben. Hier geht’s nicht nur um das Verständnis der Gänse, sondern auch um die Entwicklung von Managementstrategien, die helfen sollen, Konflikte zwischen Mensch und Natur zu minimieren.
Zurück zu den Gänsen: Während viele von ihnen nach der Mauser die Stadt verlassen, bleiben die Schäden oft bestehen. Das Füttern von Gänsen durch Privatpersonen wird zudem nicht empfohlen, um das Problem langfristig zu reduzieren. Die Graugans ist in städtischen Gebieten angekommen und hat sich dort festgesetzt. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiter entwickeln wird und welche Maßnahmen ergriffen werden, um das ökologische Gleichgewicht in unseren Städten zu wahren. Ein kleiner Hoffnungsschimmer? Vielleicht hilft ja ein Umdenken in der Bevölkerung, um der Natur einen Raum zu lassen und das Zusammenleben für alle Beteiligten zu verbessern.