In Hamburg tut sich was – und das betrifft ganz besonders die Straßensozialarbeit. Die Stadt hat ein neues Konzept vorgestellt, das vor knapp einem Jahr von der Sozialbehörde ins Leben gerufen wurde. Jetzt, pünktlich zum Start, wird es ernst: Die Umsetzung beginnt und es gibt jede Menge Veränderungen, die auf die Sozialarbeiter und vor allem auf die Obdachlosen zukommen.

Das Diakonische Werk bleibt im Bezirk Harburg weiterhin zuständig, während in den Bezirken Mitte und Altona die Suche nach geeigneten Trägern nach den neuen Vorgaben eher schleppend vorangeht. Kritiker äußern sich besorgt über die neue Strategie der beharrlichen Ansprache von Obdachlosen und die Zusammenarbeit mit Ordnungskräften. Das steht im Widerspruch zu dem, was Sozialarbeit eigentlich ausmachen sollte – nämlich Akzeptanz und Freiwilligkeit. Die Bezirksversammlung in Mitte hat sich entschieden, die Straßensozialarbeit selbst in die Hand zu nehmen, während Altona vorerst auf freie Träger setzt, bevor der Bezirk selbst übernimmt.

Die Herausforderungen der Sozialarbeit

Das Ziel der neuen Straßensozialarbeit ist es, schrittweise im gesamten Stadtgebiet aktiv zu werden. Überregionale und mobile Angebote sollen helfen, die Lücken in Bereichen zu schließen, wo die neue Organisation noch nicht vollständig implementiert ist. In den Bezirken Harburg, Altona und Mitte halten sich laut Behördenangaben die meisten Obdachlosen auf. Der Wohnungslosenbericht des Bundes zeigt ein alarmierendes Bild: Fast 4.000 Menschen leben auf der Straße in Hamburg. Das ist eine Zahl, die nicht nur die Stadt, sondern auch die ganze Gesellschaft zum Nachdenken anregen sollte.

Ein weiteres Problem zeichnet sich ab: Kinder- und Jugendtreffs in Hamburg klagen über einen Mangel an Fachkräften in der Sozialarbeit. Die Projekte in der Kinder- und Jugendhilfe sind oft von Einsparungen betroffen, was die Situation für die jüngsten und verletzlichsten Mitglieder unserer Gesellschaft nicht gerade einfacher macht. Und während Übergangsplätze im ehemaligen Bürogebäude nahe des Hamburger Hauptbahnhofs seit zwei Monaten bezugsfertig sind, bleibt die Frage, warum nur 11 von 30 Plätzen belegt sind.

Ein Schritt in die richtige Richtung?

Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte plant Präsenzgänge von Sozialarbeitern rund um den Hauptbahnhof. Vielleicht ein erster Schritt, um das Vertrauen der Obdachlosen zu gewinnen und aktiv zu helfen. Die Herausforderungen sind groß, doch die Stadt bleibt nicht untätig. Die Bundesregierung hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis 2030 soll Obdach- und Wohnungslosigkeit in Deutschland überwunden werden. Das ist ein langfristiges Vorhaben, das nur durch die Zusammenarbeit aller Akteure – Bund, Länder, Kommunen sowie der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft – gelingen kann.

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Die Zahlen sind erschreckend: Laut FEANTSA und der Fondation pour le Logement des Défavorisés leben 1.300.000 Menschen in Europa ohne festen Wohnsitz (Stand 2024). Das zeigt, wie dringend eine Lösung her muss. Die Definition von Wohnungslosigkeit ist klar: Wer keine gesicherte Nutzung einer Wohnung hat, zählt dazu – egal, ob in Notunterkünften oder bei Freunden und Verwandten.

Ein nationaler Aktionsplan zur Überwindung der Wohnungslosigkeit wurde bereits beschlossen und sieht Maßnahmen vor, die von Rekordinvestitionen im sozialen Wohnungsbau bis hin zur Wohngeld-Plus-Reform reichen. Diese Reform hat das Wohngeld um satte 55% erhöht, was eine Erleichterung für viele Haushalte bedeutet. Außerdem sollen die Standards für Unterbringungen in Notunterkünften verbessert werden. Doch all das erfordert Zeit, Geduld und vor allem das Engagement aller Beteiligten.

Es bleibt zu hoffen, dass Hamburgs neue Wege in der Straßensozialarbeit nicht nur eine Antwort auf die aktuellen Herausforderungen geben, sondern auch langfristige Lösungen bieten. Die Menschen auf der Straße verdienen einen Platz in unserer Gesellschaft – und es ist an der Zeit, dass wir ihnen diesen Platz auch aktiv anbieten.