In Norddeutschland, wo das Meer auf die Küste trifft und die Menschen eng miteinander verbunden sind, finden sich rund 224.000 Feuerwehrleute in den Bundesländern Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Bemerkenswert ist, dass 96 % dieser Feuerwehrleute ehrenamtlich tätig sind. Trotz der großen Zahl an Freiwilligen – über 5.500 Wachen und 24 Städte mit Berufsfeuerwehren – steht das System der Freiwilligen Feuerwehr unter Druck. Besonders in Pendlerregionen und schrumpfenden Gemeinden ist es eine Herausforderung, tagsüber ausreichend aktive Feuerwehrleute zur Verfügung zu haben.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Während die Einsätze seit 2000 um 30 % gestiegen sind, ist die Zahl der aktiven freiwilligen Feuerwehrleute in Deutschland seit 1990 um 13 % gesunken. In der Gemeinde Laar in Niedersachsen beispielsweise ist die nächste Berufsfeuerwehr stolze 95 km entfernt. Diese Gegebenheiten zwingen die Feuerwehren, zunehmend zu technischen Hilfeleistungen auszurücken. Der Frauenanteil in den Freiwilligen Feuerwehren liegt bei etwa 12 %, während Menschen mit Migrationsgeschichte unterrepräsentiert sind.

Herausforderungen und Lösungsansätze

Ein Beispiel für die Herausforderungen, denen sich die Freiwilligen Feuerwehren gegenübersehen, bietet die Gemeinde Sierksdorf in Schleswig-Holstein. Hier wurde aufgrund eines Mangels an Ehrenamtlichen überlegt, Bürger zu verpflichten. Durch Gespräche konnte diese drastische Maßnahme jedoch abgewendet werden. Es bleibt festzuhalten, dass der Feuerwehrdienst auch bei der Einführung einer Pflichtfeuerwehr ehrenamtlich und unbezahlt bleibt. Die hohen Kosten für Fahrzeuge, Schutzkleidung und Technik setzen die Kommunen unter Druck. In Golm beispielsweise musste der Boden des alten Gerätehauses in Eigenarbeit abgesenkt werden, um ein neues Löschfahrzeug unterzubringen. Fehlende Ausstattung kann im Ernstfall entscheidende Zeit kosten.

Um dem ehrenamtlichen Engagement neue Impulse zu geben, werden derzeit verschiedene Modelle zur Stärkung des Ehrenamts und des Brandschutzes entwickelt, wie etwa Musterfeuerwehrhäuser. Innenminister Pegel hat Förderbescheide für Feuerwehr- und Schutzausrüstung übergeben, um die Situation zu verbessern. Leider sind die Feuerwehrleute bei Einsätzen auch zunehmend Beleidigungen ausgesetzt, was den Feuerwehrverband Schleswig-Holstein dazu veranlasst hat, eine konsequentere Strafverfolgung zu fordern. Ein innovativer Ansatz zur Personensuche wurde in Wiesmoor umgesetzt: Hier nutzt die Feuerwehr E-Scooter, um schnell und effizient Unterstützung zu leisten.

Ehrenamtliches Engagement in Deutschland

Der gesellschaftliche Wert des Ehrenamts wird auch am Internationalen Tag des Ehrenamtes, der am 5. Dezember gefeiert wird, deutlich. Ziel ist es, die ehrenamtlichen Tätigkeiten als tragende Säule einer aktiven Gesellschaft zu würdigen. Im Jahr 2025 engagierten sich rund 16,9 Millionen Menschen in Deutschland ehrenamtlich, was die Bedeutung des freiwilligen Einsatzes unterstreicht. Die Beteiligungsquote an organisierter Freiwilligenarbeit lag 2024 bei 27,5 Prozent und ist damit leicht höher als in der Schweiz und Österreich.

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Das ehrenamtliche Engagement findet häufig in Organisationen oder Vereinen statt, sei es in Sportvereinen, Kirchen oder Wohltätigkeitsorganisationen. Besonders junge Menschen unter 27 Jahren nutzen oft Freiwilligendienste, um zwischen Schulabschluss und Berufsausbildung Erfahrungen zu sammeln. Diese Dienste, wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) oder der Bundesfreiwilligendienst, bieten zwar keine umfassende Vergütung, fördern jedoch das Gemeinschaftsgefühl und den gesellschaftlichen Einsatz.

Die Debatten über die mögliche Wiederaufnahme des Wehrdienstes und ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr für junge Erwachsene zeigen, dass das Thema gesellschaftliches Engagement immer noch aktuell ist. Der Staat setzt weiterhin auf die intrinsische Motivation zur Freiwilligkeit im sozialen Bereich, um auch in Zukunft auf eine starke Basis von Ehrenamtlichen zählen zu können.