Heute, am 22. Mai 2026, wird in Bremen ein Warnstreik die Geschäfte des Einzelhandels aufmischen. Verdi hat die Beschäftigten von H&M, Ikea, Edeka, Primark, TK Maxx, Saturn und Rewe aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. Die Gewerkschaft erwartet zwischen 200 und 300 Teilnehmer, was zumindest die langen Schlangen an den Kassen und die Wartezeiten für die Kunden erklären könnte. „Das wird ein langer Tag“, könnte man sagen, und das gilt nicht nur für die Streikenden.
Der ganztägige Warnstreik hat seinen Ursprung in den Forderungen nach mehr Geld – konkret 7% mehr Gehalt für die Beschäftigten im Handel. Verdi fordert außerdem eine Mindestlohnerhöhung von 225 Euro brutto pro Monat im Einzelhandel und 250 Euro im Groß- und Außenhandel. Das klingt nach einer ganz schön großen Summe, aber die Antwort des Handelsverbands Niedersachsen-Bremen fällt eher kühl aus. Hauptgeschäftsführerin Karin Schindler-Abbes bezeichnet die Forderungen als überzogen und spricht sogar von einem verfrühten Streik. Mal sehen, wie das ausgeht.
Hintergründe und Forderungen
Aber warum eigentlich dieser Aufstand? Laut ver.di sind die Lebenshaltungskosten in den letzten Monaten kräftig gestiegen. Besonders die Preissteigerungen bei Benzin und Diesel machen den Handelsbeschäftigten zu schaffen. Und das nicht nur beim Tanken, sondern auch im Alltag. Viele Menschen in der Branche kämpfen darum, über die Runden zu kommen, und das ist nicht nur eine Frage des Geldes. Ein Großteil der Beschäftigten arbeitet unfreiwillig in Teilzeit – 65,1 Prozent im Einzelhandel und 27,6 Prozent im Großhandel. Da fragt man sich schon, wo die Zeit für ein anständiges Leben bleibt.
Auf der Tarifkoordinierungskonferenz, die im April stattfand, wurden Eckpunkte für die bevorstehenden Tarifrunden beschlossen. Verdi verhandelt für insgesamt 5,2 Millionen Beschäftigte im Handel und hat sich gegen Einmalzahlungen ausgesprochen. Einmalzahlungen? Die sind für die Gewerkschaft kein adäquater Ersatz für eine richtige, tabellenwirksame Erhöhung. So richtig nachvollziehbar, oder? Die Tarifverhandlungen sind bereits im Gange, und die zweite Runde steht am 11. Juni in Hannover an. Ob es da Licht am Ende des Tunnels gibt, bleibt fraglich.
Die Realität der Beschäftigten
Die Realität für viele Beschäftigte im Handel sieht eher düster aus. Altersarmut ist ein Schlagwort, das immer wieder auftaucht. Die Kombination aus niedrigen Löhnen, unfreiwilliger Teilzeit und fehlender Tarifbindung verstärkt das Risiko, im Alter in eine finanzielle Notlage zu geraten. Silke Zimmer von ver.di hat dies in ihren Ausführungen deutlich gemacht. Sie kritisiert die gesellschaftliche Abwertung von Teilzeitbeschäftigten und weist darauf hin, dass viele dieser Teilzeitjobs erzwungen sind. Das klingt alles andere als fair.
Die erste Verhandlungsrunde fand bereits am 6. Mai in Hannover statt – ein Treffen, das ohne greifbares Ergebnis endete. Die Stimmen der Beschäftigten werden immer lauter, und die Frage bleibt: Wie lange kann man sie ignorieren? In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob die Stimmen gehört werden und ob es tatsächlich zu einer Einigung kommt. Das wird spannend – und für viele der Beschäftigten auch entscheidend.