Wenn man in Bremen seine Steuererklärung einreicht, kann das schon mal zu einem kleinen Abenteuer werden. Der Blick auf die Zahlen offenbart, dass Bremen bundesweit die längste Bearbeitungsdauer für Steuererklärungen hat – und das ist, um ehrlich zu sein, keine besonders erfreuliche Nachricht. Stand heute, dem 4. Juni 2026, beträgt die durchschnittliche Bearbeitungszeit hier satte 56 Tage. Das sind drei Tage länger als im Vorjahr! Die Stadtbremischen Finanzbehörden, die in dieser Hinsicht ganz vorne mit dabei sind, benötigen sogar durchschnittlich etwa 60 Tage, während die Nachbarn in Niedersachsen mit 46 Tagen deutlich schneller sind.
Der Grund für diesen Bearbeitungsstau ist ein Anstieg der Einkommensteuererklärungen. Im Jahr 2025 wurden 20.000 mehr Fälle bearbeitet als im Jahr zuvor. Das ist eine Hausnummer, die selbst die besten Finanzämter ins Schwitzen bringt. In Bremen gibt es nur zwei Finanzämter, die sich um die Einkommensteuererklärungen kümmern, während Hamburg mit 14 und Berlin sogar mit 22 Finanzämtern aufwartet. Wenn man bedenkt, dass die Personaldecke in den Bremer Finanzämtern über Jahre hinweg ausgedünnt wurde, verwundert es nicht, dass die Bearbeitung immer länger dauert.
Aktuelle Bearbeitungsstände und individuelle Herausforderungen
Wie lange es tatsächlich dauert, bis die eigene Steuererklärung bearbeitet wird, ist allerdings von vielen Faktoren abhängig. Komplexe Steuerfälle können die Bearbeitungszeit erheblich verlängern. Wenn umfangreiche Sachverhaltsaufklärungen, Anhörungen und Schriftwechsel notwendig sind, dann kann das Geduld erfordern – und die hat nicht jeder Steuerzahler im Überfluss. Wenn man sich fragt, wie es um den eigenen Bearbeitungsstand steht, wird man in vielen Fällen enttäuscht. Individuelle Auskünfte sind nicht möglich, um die personellen Ressourcen nicht zusätzlich zu belasten.
Aktuelle Zahlen zeigen, dass das Finanzamt Bremen für Gewinneinkünfte bis zum 23. Februar 2026 bearbeitet hat. Bei den Überschusseinkünften war der Stichtag bereits der 2. März 2026. Bremerhaven hingegen hat etwas schnellere Bearbeitungszeiten: Dort erhalten Steuerzahler für Gewinneinkünfte ihren Bescheid bis zum 26. Januar und für Überschusseinkünfte bis zum 15. April. Aber das ist alles noch weit entfernt von dem, was sich manch einer wünscht.
Die digitale Lösung und ein Blick über den Tellerrand
Ein kleiner Lichtblick ist die verstärkte Nutzung digitaler Lösungen. Die Finanzbehörde versucht, durch verstärkte Ausbildung und Digitalisierung der Steuerverwaltung dem Bearbeitungsstau entgegenzuwirken. Die elektronische Abgabe über ELSTER, ein recht praktisches Tool, ermöglicht eine Plausibilitätsprüfung. So werden Eintragungsfehler verringert und die Bearbeitung beschleunigt – ein echter Gewinn, wenn man bedenkt, wie sehr das Warten auf den Steuerbescheid die Nerven strapazieren kann.
Im deutschlandweiten Vergleich zeigt sich ein weiteres Bild. Der Steuerreport 2026 hat ermittelt, dass die Unterschiede zwischen den schnellsten und den langsamsten Finanzämtern eklatant sind. Das schnellste Finanzamt, das FA Schwalm-Eder, bearbeitet Steuererklärungen in nur 22 Tagen, während das FA Korbach-Frankenberg mit 119 Tagen den Negativrekord hält. Das sind fast 100 Tage Unterschied! Wer hätte gedacht, dass die Steuererklärungen so unterschiedlich behandelt werden? Für viele Bremer bleibt das ein unerklärliches Mysterium.
So bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in den kommenden Jahren entwickeln wird. Ein wenig mehr Investition in Personal und digitale Lösungen könnte vielleicht schon bald auch für Bremen positive Veränderungen mit sich bringen. Aber bis dahin heißt es wohl weiter: Geduld haben und Tee trinken.