In Bremen-Neue Vahr gibt es einen Ort, der mehr ist als nur ein Repaircafé. Es ist ein Treffpunkt, ein Ort der Begegnung, und – so könnte man sagen – ein Herzstück der Gemeinschaft. Karem Hasan, ein 47-jähriger Elektroingenieur, hat dieses Kleinod hinter der Heilig-Geist-Kirche ins Leben gerufen. 2018 floh er mit seiner Familie aus Damaskus, wo der Krieg seine Spuren hinterlassen hatte. Hier in Deutschland, wo er seine zweite Heimat gefunden hat, wollte er mehr tun, als nur zu überleben. Acht Monate nach seiner Ankunft öffnete er die Türen zu seinem Repaircafé im Sozialkaufhaus Marktplatz der Begegnung. Und das nicht ohne Grund: Viele Menschen hier können sich neue Geräte schlichtweg nicht leisten.
Das Repaircafé, das etwa so groß ist wie zwei Garagen, hat von Samstag 10 bis 14 Uhr geöffnet. Hier repariert Hasan alles, was nicht niet- und nagelfest ist – von Kaffeemaschinen über Fernseher bis hin zu Plattenspielern. Und das Beste: Die Reparaturen sind kostenlos! Klar, Ersatzteile müssen die Nutzer selbst besorgen, aber Hasan ist da eine große Hilfe, wenn es darum geht, diese zu bestellen. Er hat ein offenes Ohr für alle, die vorbei kommen, und erklärt geduldig, was zu tun ist. Mit seiner Frau Reham Alsalti und Praktikant Andrii aus der Ukraine bildet er ein tolles Team.
Reparieren als Gemeinschaftsprojekt
Ein Motto, das man in diesem Repaircafé oft hört, lautet: „Nicht immer gleich in den Müll werfen!“ Ein Satz, der zum Nachdenken anregt. Denn die Lebenshaltungskosten steigen und viele Besucher können es sich schlichtweg nicht leisten, neue Geräte zu kaufen. In Neue Vahr-Nord betrug das durchschnittliche Jahreseinkommen im Jahr 2020 gerade einmal 24.400 Euro. Das Repaircafé schafft nicht nur einen Platz für Reparaturen, sondern fördert auch die Wertschätzung langlebiger Produkte und sensibilisiert für Elektroschrott. Hasan und sein Team führen samstags zwischen vier und sechs Reparaturen durch – und die Gäste können dabei zusehen und einen Einblick in die Technik gewinnen.
Die Idee, das Repaircafé als Gemeinschaftsprojekt zu gestalten, ist nicht nur clever, sondern auch notwendig. Unterstützt wird Hasan durch ein Aktionsbündnis namens Wachstumswende und das Programm „Wohnen in Nachbarschaften (WIN)“. Diese Zusammenarbeit zwischen der Ev. Kirchengemeinde und dem Bürgerzentrum Vahr bringt Menschen zusammen, die sich für nachhaltige Lösungen einsetzen. Ehrenamtliche Verstärkung für das Repair-Team wird stets gesucht – jeder ist willkommen, der Spaß am Reparieren hat!
Ein Blick in die Zukunft
Hasan träumt von einem größeren Raum für sein Repaircafé, um noch mehr Menschen das Reparieren beizubringen. Und das könnte bald noch wichtiger werden: Ab Juli 2024 tritt das „Recht auf Reparatur“ in Kraft, das Hersteller dazu zwingt, Geräte reparierbar zu gestalten. Ein Schritt in die richtige Richtung, wenn man bedenkt, dass in Deutschland allein in den letzten zehn Jahren jährlich durchschnittlich 880.000 Tonnen Elektro-Altgeräte angefallen sind. Um dem Elektroschrottproblem entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung die Initiative „Reparieren statt Wegwerfen“ ins Leben gerufen. Sie soll dazu beitragen, dass Verbraucher einfacher ihre Geräte reparieren können und ein Umdenken im Konsumverhalten gefördert wird.
Hasan ist zudem seit Dezember 2023 Mitglied der SPD. Er sieht Deutschland nicht nur als seine neue Heimat, sondern auch als einen Ort, an dem er sich für Demokratie und Freiheit einsetzen kann. Kritisch verfolgt er die Rückkehrforderungen für Syrer von Bundeskanzler Friedrich Merz, die er für unrealistisch hält. Er möchte die Umwelt schützen und andere motivieren, sich ebenfalls zu engagieren.
Inmitten all dieser Herausforderungen bleibt das Repaircafé ein Lichtblick. Ein Ort, an dem nicht nur Geräte, sondern auch Gemeinschaft und Hoffnung repariert werden. Wenn Sie also mal in der Nähe sind, schauen Sie vorbei! Vielleicht haben Sie ein Gerät, das ein wenig Liebe braucht, oder Sie wollen einfach nur sehen, wie etwas repariert wird. Und denken Sie daran: Manchmal ist es besser, etwas zu reparieren, als es gleich wegzuwerfen.