Heute ist der 5. Mai 2026, und in Bremen wird nicht nur der Frühling gefeiert, sondern auch der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Ein Anlass, um auf die Herausforderungen aufmerksam zu machen, die Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt erleben. Besonders im Land Bremen gibt es noch viel zu tun. Jörn Neitzel, 47 Jahre alt und seit vielen Jahren auf der Suche nach einem Job, ist ein Beispiel dafür. Er sitzt im Rollstuhl, hat eine Ausbildung zum Bürokaufmann und ein Fachabitur abgeschlossen. Doch trotz seiner Qualifikationen wurde er über 20 Jahre lang immer wieder abgelehnt. Erst 2021 fand er über ein Praktikum in der Öffentlichkeitsarbeit der Werkstatt Bremen seinen Platz als Büroorganisator und Redakteur bei der „selbstverständlich GmbH“.

Diese Geschichte ist leider nicht die Ausnahme, sondern spiegelt vielmehr die Realität wider. Nur jeder dritte Bremer Betrieb erfüllt die gesetzliche Quote zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen. Alarmierend ist, dass 64,5 Prozent der Bremer Unternehmen, die über 20 Beschäftigte haben, 2024 dieser Verpflichtung nicht nachkommen werden. Die gesetzliche Vorgabe besagt, dass fünf Prozent der Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen reserviert sein müssen. Die Ausgleichsabgabe, die Unternehmen zahlen müssen, wenn sie diese Quote nicht erreichen, liegt zwischen 155 und 815 Euro pro unbesetztem Pflichtarbeitsplatz. Und dennoch sieht Bremens Landesbehindertenbeauftragter Arne Frankenstein Vorurteile gegen Menschen mit Behinderungen bei Arbeitgebern.

Die Realität der Beschäftigung

Um einen weiteren Blick auf die Situation zu werfen: Rund acht Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Schwerbehinderung. Das ist eine beachtliche Zahl! Deutschland hat sich mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 verpflichtet, die gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Doch die Realität sieht immer noch anders aus. Bei einer Befragung von DAX-Unternehmen zeigte sich, dass von 40 befragten Firmen nur 18 die gesetzliche Quote erfüllen. Das bedeutet, dass mehr als ein Drittel der DAX-Konzerne hinter den Erwartungen zurückbleibt. Besonders niedrig ist die Beschäftigungsquote bei Unternehmen wie Zalando, Adidas und Beiersdorf.

Das ist nicht nur ein Problem für die Betroffenen, sondern auch für die Unternehmen selbst. Die Bereitschaft, Menschen mit Behinderung einzustellen, hat in letzter Zeit nachgelassen. Dabei ist es gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und Fachkräftemangel wichtig, die Potenziale von Inklusion zu erkennen. Vielfältige Teams sind kreativer und resilienter, können besser auf Veränderungen reagieren – ein echter Gewinn für jedes Unternehmen!

Unterstützung für Unternehmen

Es gibt zahlreiche Angebote zur Unterstützung von Unternehmen, die Menschen mit Behinderungen einstellen möchten. Diese reichen von finanziellen Förderungen bis hin zu Beratungsprogrammen. Ein Beispiel ist das „Budget für Arbeit“, das Lohnkostenzuschüsse von bis zu 75 Prozent vorsieht. Unternehmen, die die gesetzliche Quote unterschreiten, könnten die Kosten für Aufträge an Werkstätten für behinderte Menschen mit der Ausgleichsabgabe verrechnen. Doch trotz dieser Möglichkeiten bleibt der Übergang in den regulären Arbeitsmarkt für viele Menschen mit Behinderungen oft ein Traum, der selten wahr wird.

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Am 8. Oktober 2026 wird ein weiteres Event, die Duo Days, stattfinden. Diese sollen Unternehmen und Menschen mit Behinderungen zusammenbringen, um Brücken zu bauen und Vorurteile abzubauen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert in diesem Zusammenhang die konsequente Umsetzung von Inklusion und Teilhabe – ein Schritt, der längst überfällig ist. Der Weg dahin ist steinig, aber es lohnt sich, ihn zu gehen. Nur so kann die Gesellschaft die Vielfalt der Talente und Fähigkeiten, die in der Bevölkerung schlummern, wirklich ausschöpfen.