Heute ist der 28.05.2026 und wir schauen auf ein drängendes Thema, das nicht nur in Bremen, sondern auch weit darüber hinaus von Bedeutung ist. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat zum Internationalen Tag der Frauengesundheit klare Worte gefunden. Sie fordert mehr Fortschritte in der medizinischen Versorgung für Frauen. Ein Punkt, der in der Diskussion oft zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass viele Symptome und Behandlungen bei Männern besser erforscht sind als bei Frauen. Das ist nicht nur unfair, sondern hat auch fatale Folgen.
Im Land Bremen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen 2024 die häufigste Todesursache bei Frauen – ein erschreckender Wert, der 34,4 Prozent der Sterbefälle ausmacht. Dazu zählen nicht nur Herzinfarkte und Schlaganfälle, sondern auch die koronare Herzkrankheit. Interessanterweise gibt es in der Statistik eine kritische Anmerkung: Sie basiert auf Totenscheinen, wo lediglich eine Todesursache angegeben wird. Das bedeutet, dass andere Krankheiten möglicherweise nicht erfasst werden. Und wer weiß, wie viel mehr Frauen unter anderen gesundheitlichen Problemen leiden, die nicht einmal in diesen Zahlen auftauchen?
Die weibliche Perspektive zählt
Mo Urban, Referentin für Frauengesundheit bei der ZGF, hat ebenfalls eine klare Forderung: Die medizinische Forschung und das Medizinstudium müssen dringend geändert werden. Gendermedizin soll verpflichtend in den Lehrplan aufgenommen werden, um geschlechtsspezifische Unterschiede zu berücksichtigen. Denn es gibt Unterschiede in der Anatomie, Ätiologie und Symptomatik von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Während Männer oft typische Symptome wie Brustschmerzen zeigen, können Frauen auch mit Übelkeit und Rückenschmerzen reagieren. Das führt dazu, dass viele Frauen zu spät Hilfe suchen, ihre Beschwerden oft nicht ernst genommen werden. Das ist nicht nur frustrierend, sondern kann auch lebensbedrohlich sein.
Ein weiteres alarmierendes Faktum: In Notfallsituationen haben Frauen schlechtere Chancen, gerettet zu werden. Ersthelfende sind oft unsicher, ob sie bei einer Frau eine Druckmassage anlegen sollen. Urban schlägt vor, dass Schulungen an weiblichen Puppen mit Brust helfen könnten, diese Hürden abzubauen. Klare Ansage: Es muss sich etwas ändern!
Forschung und Fortbildung im Fokus
Es gibt jedoch auch Hoffnung. Die Bremer Gesundheitsressorts unterstützen eine gendersensible Medizin, und die Gesundheitsministerkonferenz 2025 hat bereits entsprechende Maßnahmen beschlossen. Die Notwendigkeit, geschlechtsspezifische Aspekte in der Medizin zu berücksichtigen, wird immer deutlicher. Jährlich wird am Tag der Frauengesundheit auf die gesundheitlichen Unterschiede zwischen Frauen und Männern hingewiesen. Das ist wichtig, denn viele Krankheiten und Medikamente wurden bisher überwiegend an männlichen Patienten erforscht. Das führt dazu, dass Frauen oft später oder gar falsch behandelt werden.
Eine Umfrage des AOK-Bundesverbands zeigt, dass 87 % der Ärzte eine stärkere Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Aspekte in medizinischen Leitlinien fordern. Doch die Realität sieht oft anders aus: Ein Drittel der rund 500 Befragten gab an, dass im Medizinstudium keine Inhalte zu Unterschieden zwischen Frauen und Männern vermittelt wurden. Zwei Drittel haben noch nie eine Fortbildung zu geschlechtsspezifischen Aspekten besucht. Das ist wirklich bedenklich!
Die Ärztekammer Bremen hat ebenfalls mehr Berücksichtigung des Geschlechts in der Gesundheitsversorgung gefordert. Unterschiede in Diagnostik, Prävention und Therapie betreffen Frauen besonders. Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden bei Frauen häufig später erkannt, einfach weil die Symptome anders ausgeprägt sind – ein Teufelskreis, der durchbrochen werden muss.
Ein Blick in die Zukunft
Was ist also das Ziel? Eine evidenzbasierte Weiterentwicklung von Diagnostik, Therapie und Forschung, die auch die besonderen Bedürfnisse von Frauen im Blick hat. Erkrankungen wie Endometriose oder Osteoporose sowie die psychischen Belastungen, mit denen viele Frauen zu kämpfen haben, stehen viel zu oft im Schatten. Es wird Zeit, dass diese Themen ernst genommen werden und stabile klinische Strukturen in der gynäkologischen und geburtshilflichen Versorgung entstehen.
Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF) haben Defizite in der gynäkologischen Versorgung benannt. Es muss dringend etwas passieren, denn Frauen verdienen eine Gesundheitsversorgung, die ihr Geschlecht besser berücksichtigt. Veränderungen in Lehrplänen, Fortbildungen und Forschungsergebnissen werden Zeit benötigen, aber wir sollten nicht aufhören, dafür zu kämpfen. Schließlich geht es um die Gesundheit von Frauen – und das sollte uns allen am Herzen liegen.