Die Weser in Hemelingen, ein Ort voller Geschichten und Natur, hat ein ganz eigenes Problem: Die Lachse haben es hier nicht leicht. Das Weserwehr in Hastedt, eine massive Barriere, steht den Fischen im Weg und macht den Aufstieg zu ihren Laichgründen zu einer echten Herausforderung. Um den Lachsen und anderen Fischen etwas unter die Arme zu greifen, wurde eine Fischtreppe installiert. Doch trotz dieser Bemühungen bleibt die Zahl der Lachse niedrig. Schade, denn das Fischmonitoring der SWB für 2024 zeigt insgesamt weniger Fische – das Stillstand des Kraftwerks und die Baggerarbeiten tragen dazu bei, dass die Fische auf dem Weg zu ihren Zielen noch mehr behindert werden.
Insgesamt wurden 22 verschiedene Fischarten gezählt, darunter die allseits beliebten Rotaugen, Barben und Meerforellen. Zander und Lachs tauchten 25 und 17 Mal auf, was die Zahlen des Vorjahres widerspiegelt. Während die Angelvereine eifrig Junglachse in die Weser einsetzen, ist der Erfolg leider begrenzt – nur wenige finden den Rückweg zu ihren Laichgründen. Und so bleibt die Wiederansiedlung des Lachses ein langwieriges Unterfangen mit mäßigem Erfolg.
Die Fischtreppe am Weserwehr
Die Fischtreppe erstreckt sich über stolze 200 Meter und nutzt eine „Raue Rampe“, die den Fischen helfen soll, die bis zu sieben Meter Höhenunterschied zu überwinden. Auf der Südseite des Kraftwerks ist der Fischabstieg angelegt, damit die Tiere vor den Turbinen geschützt sind. Doch hier kommt Martin Rode vom BUND ins Spiel. Er äußert laute Kritik an der Wirksamkeit dieser Fischtreppe und fordert eine grundlegende Neuplanung. Ein positives Beispiel gibt es allerdings schon an der Elbe: Die Fischaufstiegshilfe Geesthacht zeigt, wie es besser gehen kann. Und während die SWB die Funktionstüchtigkeit der Fischtreppe in Absprache mit dem Umweltressort untersucht, steht der Bau einer zusätzlichen Fischtreppe momentan nicht auf der Agenda.
Die Herausforderungen sind vielfältig. Die geplante Vertiefung der Weser für größere Containerschiffe könnte laut BUND die Artenvielfalt gefährden – ein Spagat zwischen wirtschaftlichen Interessen und ökologischen Notwendigkeiten. Schließlich sehen Wirtschaftsverbände die Weservertiefung als wirtschaftlich notwendig und erwarten dabei geringere ökologische Folgen. Aber was ist mit den Fischen?
Fischtreppen und ihre Notwendigkeit
Fischtreppen, oder auch Fischpässe genannt, sind wasserbauliche Einrichtungen, die Fischen helfen sollen, über Wanderbarrieren wie Stauwehre und Wasserkraftanlagen zu gelangen. Das Ziel ist nicht nur die Unterstützung der Fische, sondern auch von Rundmäulern wie Neunaugen und Kleintieren der Gewässersohle. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie hat die Notwendigkeit von Fischaufstiegen untermauert, und auch das Wasserhaushaltsgesetz regelt deren Anordnung bei Neuerrichtungen oder Bestandsanlagen. Doch oft sind diese Fischtreppen nicht so effektiv, insbesondere wenn es um Lachsarten geht.
Es gibt verschiedene Typen von Fischaufstiegen: Wanderhilfen für den Fischaufstieg und den Fischabstieg, mit naturnahen Bauweisen wie rauen Rampen oder Umgehungsgerinnen. Technische Bauweisen wie Fischlifte oder Fischschleusen sind ebenfalls vorhanden. Diese Anlagen werden immer wichtiger, besonders in stark befahrenen oder alten Flussabschnitten, um den Artenschutz zu gewährleisten.
Der Weg zu einem besseren Fluss
Was viele nicht wissen: Flüsse sind wichtige Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Menschliche Eingriffe wie Staustufen oder Flussbegradigungen haben diese Lebensräume stark verändert. Diese Veränderungen behindern nicht nur die Fischwanderung, sondern beeinträchtigen auch die Wasserqualität und reduzieren die Biodiversität. Umweltprojekte setzen deshalb auf Rückbau alter Barrieren und Renaturierungsmaßnahmen, um die natürlichen Flussläufe wiederherzustellen.
Durch solche Maßnahmen, zu denen auch der Bau von Fischtreppen gehört, soll die ökologische Vielfalt erhöht werden. Natürliche Uferabschnitte können helfen, Überschwemmungen zu mildern, und die Rückkehr zu natürlichen Fließgeschwindigkeiten verbessert die Wasserqualität. Das klingt nach einer Win-win-Situation. Doch die Herausforderungen sind groß: hohe Kosten, Widerstand von Anwohnern und die technische Komplexität solcher Vorhaben fordern Kreativität und Zusammenarbeit von Politikern, Planern und Bürgern.
In der Weser ist der Weg zu einer besseren Zukunft für die Lachse noch lang. Aber jeder Schritt – sei es der Bau einer Fischtreppe, die Pflege der Gewässer oder die Aufklärung der Bevölkerung – ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Wer weiß, vielleicht schwimmen bald wieder viele Lachse in der Weser, die ihren Weg zurück zu den Laichgründen finden.