Am 24. Mai diesen Jahres kehrte die „High Seas High School“ (HSHS) nach einem aufregenden Abenteuer in Bremerhaven zurück. Nach sieben Monaten auf hoher See, in denen 38 Jugendliche die unendlichen Weiten des Atlantiks erkundeten, warteten am Kai Eltern, Geschwister und auch viele ehemalige Teilnehmer, um die Rückkehrer gebührend zu empfangen. Das Projekt, das seit 1993 unter dem Dach der Hermann Lietz-Schule auf Spiekeroog läuft, hat sich längst von einem rein regionalen Angebot zu einer Plattform für junge Leute aus ganz Deutschland und darüber hinaus entwickelt.
Die Reise führte die Schüler in die Karibik, vorbei an Costa Rica und Kuba, über Bermuda bis hin zu den Azoren. Auf der „Eendracht“, einem Schiff, das eigens für Jugendreisen gebaut wurde, erlebten die Jugendlichen nicht nur die Freiheit des Segelns, sondern auch intensive Lerneinheiten. Unterricht nach dem niedersächsischen Lehrplan, nautische Aufgaben wie Wache gehen oder Wetterkarten lesen – all das wird während der Fahrt zur täglichen Routine. Und das Beste? Bordsprache ist Englisch, der Unterricht findet auf Deutsch statt. Eine spannende Herausforderung für alle!
Ein einzigartiges Bildungskonzept
Die HSHS hebt sich nicht nur durch ihre beeindruckenden Reisen ab, sondern auch durch ihr pädagogisches Konzept, das erlebnisorientiert ist und sich an den Bedürfnissen der Schüler orientiert. Die Teilnehmer sind während der gesamten Zeit Teil der Hermann Lietz-Schule und können sogar einen Teil des Schulgeldes steuerlich absetzen lassen – ein kleiner, aber feiner Vorteil. Während des Probetörns, der im Frühjahr stattfindet, können interessierte Jugendliche erste Erfahrungen sammeln und sich auf die große Reise vorbereiten.
Ein weiterer interessanter Punkt: Der Unterricht umfasst auch Spanisch, inklusive eines Intensivkurses in Costa Rica! Das ist nicht nur für die Sprache von Vorteil, sondern auch für die kulturellen Begegnungen, die die Schüler während ihrer Reise machen. Und für die Abenteuerlustigen gibt es seit über 15 Jahren die Möglichkeit, einen Tauchkurs zum OWD/AOWD auf Grenada zu belegen. Ein bisschen Schnorcheln und Tauchen schadet schließlich nie, oder?
Gemeinschaft und Verantwortung an Bord
Die Rückkehrer sind nicht nur einfach Schüler, sondern auch Teil einer Gemeinschaft. Elternvertretungen werden für jede Reise etabliert, und die Jugendlichen haben Mitbestimmungsrechte an Bord. Das sorgt für ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und Verantwortung – Werte, die in unserer heutigen Zeit mehr denn je gefragt sind. Das pädagogische Team besteht aus hochqualifizierten Lehrkräften, viele haben sogar das 2. Staatsexamen für Lehramt abgelegt. Und um sicherzustellen, dass es allen gut geht, ist medizinische Betreuung an Bord durch eine Ärztin oder einen Arzt gewährleistet.
Nach der Rückkehr gibt es stets Nachbereitungstreffen, bei denen die Erlebnisse reflektiert werden. Dies zeigt, wie wichtig es der HSHS ist, nicht nur die Reise zu dokumentieren, sondern auch die persönlichen und sozialen Fähigkeiten der Jugendlichen weiterzuentwickeln. Die ehemalige „Crew an Land“ sorgt zudem für ein aktives Netzwerk, das den Teilnehmern auch Jahre später noch zur Verfügung steht.
Die HSHS ist also nicht nur ein Abenteuer auf dem Wasser, sondern auch ein ganzheitliches Bildungsprojekt, das junge Leute auf eine Weise formt, die in klassischen Schulsettings oft zu kurz kommt. Ein Projekt, das sogar Inspiration für ähnliche Initiativen im deutschsprachigen Raum gegeben hat. Wer weiß, vielleicht segeln wir bald mit noch mehr Jugendlichen in neue Abenteuer?