In Bremen ist es ein bisschen wie bei einem überfüllten Konzert: Jeder will rein, aber die Türen sind zu eng. Die steigenden Schülerzahlen sorgen für einen echten Platzmangel in den Oberschulen. Immer wieder berichten Schulleiter, dass sie Fachräume und Aufenthaltsräume kurzerhand in Klassenräume umwandeln müssen. Das mag in den letzten Jahren etwas gemildert worden sein durch den Bau mehrerer Grundschulen, doch besonders im Bremer Westen wird die Lage während der Anmeldephase für weiterführende Schulen bitter deutlich. Da fehlen mal eben 40 Plätze für interessierte Kinder.

Glücklicherweise hat die Behörde mittlerweile für alle Kinder einen Schulplatz gefunden – allerdings in Mobilbauten. Das klingt erst einmal nach einer pragmatischen Lösung, ist aber sicher nicht das, was sich die Eltern wünschen. Eine neue Oberschule, die Oberschule Überseestadt, ist in Planung, doch hier zieht sich der Bau wie Kaugummi. Ursprünglich sollte die Schule auf der Grünfläche Waller Wied entstehen, doch Anwohner machten ordentlich Dampf und sorgten für einen Stopp. Nun hat der Investor Klaus Meier die Idee geäußert, die Schule auf der Überseeinsel zu bauen. Seine Lösung wird derzeit auf Herz und Nieren geprüft, und Bildungssenator Mark Rackles (SPD) sieht das als die beste Lösung an. Damit wird der Plan Waller Wied auch weniger priorisiert.

Ein neues Zeitalter für den Schulbau

Um den Schulbau zu beschleunigen, wurde die Bildungsbaugesellschaft gegründet – eine Tochtergesellschaft der Stadt mit einem Eigenkapital von 300 Millionen Euro. Sie hat sich gleich sechs Projekte geschnappt, darunter die Grundschulen Fährer Flur und Am Alten Postweg, die im August bezugsbereit sein sollen. Das klingt vielversprechend, doch der Erfolg wird sich an den Folgeprojekten messen lassen, schließlich ist die Gesellschaft noch eine Pilotgesellschaft. Auch die Städtische Wohnungsbaugesellschaft Stäwog ist am Start und hat einen Weg gefunden, gleich drei Schulen gleichzeitig zu bauen. Das nennt sich dann Integrierte Projektallianz – klingt schick und soll die Kosten von 190 Millionen Euro effektiv nutzen. Die Stadt wird die Schulen nach dem Bau anmieten und einheitliche Bauteile verwenden, um die Verarbeitung zu erleichtern.

Doch der Schulbau in Bremen ist nur ein Teil eines größeren Problems. Deutschlands gesamte Schulinfrastruktur steht unter immensem Druck: Der Sanierungsbedarf beläuft sich auf unfassbare 55 Milliarden Euro! Die Haushaltskassen der Länder und Kommunen sind oft leer. Ein Sondervermögen der Bundesregierung, das am 18. März 2025 beschlossen wurde, soll hier Abhilfe schaffen. Rund 100 Milliarden Euro fließen in die Länder und Kommunen, um der Misere entgegenzuwirken. Städte wie Köln setzen bereits auf Multiprojektmanagement und strategisches Liegenschaftsmanagement, um den Sanierungsstau effizient zu bewältigen.

Die Herausforderungen meistern

Die Prognosen der Kultusministerkonferenz sehen einen Anstieg der Schülerzahlen um 758.000 bis 2035 vor. Das bedeutet zusätzliche Anforderungen an die Schulinfrastruktur, die ohnehin schon als ernstzunehmende Gefahr für die Gesundheit und das Lernen der Schüler angesehen wird. Die Verantwortung für die Schulgebäude liegt bei den Städten und Gemeinden, die oft mit Personalmangel und Bürokratie kämpfen. Innovative Ansätze wie das Building Information Modeling (BIM) zur digitalen Planung könnten helfen, um den Überblick zu behalten, und Bayern hat sogar rechtliche Voraussetzungen für modulare Schulgebäude geschaffen.

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Aber die Herausforderungen sind enorm. Viele Schulgebäude aus den 1950er bis 1970er Jahren sind energetisch problematisch, und die Barrierefreiheit lässt oft zu wünschen übrig. Ein klarer Sanierungsfahrplan mit Prioritäten ist nötig, um den Sanierungsstau zu lösen und den Schulbau in Bremen und darüber hinaus auf ein neues Level zu heben. Ein bisschen Hoffnung gibt es also, aber die Wegstrecke bleibt lang und steinig – und das Konzert ist noch lange nicht zu Ende.