In Bremerhaven wird die Situation an den Schulen immer prekärer. Mehr als 100 Lehrkräfte fehlen – das ist kein Geheimnis mehr. Schuldezernent Hauke Hilz (FDP) warnt, dass die Lage ernst ist. Oft muss der Unterricht mit pädagogischen Unterstützungskräften überbrückt werden. Wenn man sich vorstellt, wie das für die Schüler ist, wird einem ganz mulmig. Letzten Sommer wurden zum Beispiel die Fächer Sport und Spanisch stark reduziert. Das ist natürlich ein herber Schlag für die Schülerinnen und Schüler, die auf eine umfassende Bildung angewiesen sind.

Die Stadt hat zwar Pläne, einen dualen Master an der Hochschule zur schnellen Ausbildung von Lehrkräften zu etablieren, doch dieser Plan scheiterte am Veto der Bremer Wissenschaftsbehörde. Dabei könnten die 160 Referendare, die aktuell in Bremen und die 40 in Bremerhaven ausgebildet werden, dringend gebraucht werden. Immerhin hat Bremen fast 100 Prozent aller Lehrerstellen besetzt, aber auch hier gibt es ein Aber: Rund sieben Prozent der Stellen sind mit Personal besetzt, das nicht unterrichtet, etwa durch Elternzeit oder Langzeiterkrankungen. Und die Personalobergrenze ist bereits erreicht, sodass keine zusätzlichen Lehrkräfte eingestellt werden können.

Ein Ausblick auf die Ausbildungssituation

Mit einem Blick auf die Ausbildungssituation in Bremen stellt man fest, dass seit 2023 deutlich mehr Referendar:innen ausgebildet wurden – zwischen 230 und 250 pro Jahrgang. Das klang alles vielversprechend. Bisher war die Übernahme dieser Referendar:innen in den Staatsdienst so gut wie garantiert. Doch dann kam das große Erwachen. Ende April erfuhren die angehenden Lehrkräfte bei einer Online-Veranstaltung, dass diese Übernahme nicht mehr sicher ist. Einige waren sichtlich überrascht, da die Bewerbungsfrist für Niedersachsen bereits abgelaufen war. Ein echtes Dilemma für viele, die möglicherweise schon mit einem sicheren Job gerechnet hatten.

Patricia Brandt, die Sprecherin der Bremer Bildungsbehörde, gab offen zu, dass der aktuelle Jahrgang nicht auf diese plötzlichen Veränderungen vorbereitet wurde. Von den 234 Referendar:innen werden etwa 150 an Schulen in Bremen eingestellt, während der Rest gute Chancen auf eine Anstellung in Bremerhaven hat, wo der Lehrkräftemangel besonders drückt. Ein neuer Vertretungspool wird zudem als zusätzliche Einstiegsmöglichkeit in den Schuldienst aufgebaut – vielleicht ein Lichtblick in dieser grauen Wolke?

Kritik an der Personalsituation

Die Schulleitungen und Bediensteten fordern unterdessen Bildungssenator Marc Rackles (SPD) auf, die akuten Missstände zu beheben. Die Kritik an der personellen Unterausstattung von Inklusionsklassen ist laut und deutlich. Hier muss dringend etwas geschehen, sonst bleibt der Unterricht für viele Schüler ein Flickenteppich. Viele Schulen wissen nicht einmal genau, welches Personal zur Verfügung steht, was die Belastung für die Lehrkräfte zusätzlich erhöht.

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Die Bremer Bildungsbehörde empfiehlt potenziellen Bewerbern, nach Bremerhaven zu gehen, um die Lücke zu schließen. Ein mutiger Aufruf, der zeigt, wie dringend die Stadt auf frische Lehrkräfte angewiesen ist. Dennoch bleibt die Frage, wie schnell und effektiv diese Maßnahmen umgesetzt werden können. Die Unsicherheit ist greifbar. Die Schulen in Bremerhaven stehen vor einer Herausforderung, die sich nicht einfach wegdiskutieren lässt. Hier sind nicht nur die Behörden gefordert, sondern auch ein Umdenken in der Ausbildung und der Personalplanung.