In Bremen ist die gesundheitliche Versorgung ein heißes Thema, das die Gemüter bewegt. In vielen Stadtteilen ist die Zahl der Arztpraxen einfach zu gering, um die Bedürfnisse der Bevölkerung zu decken. Am 25. April 2026 brachte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Die Linke) dieses Problem zur Sprache und machte unmissverständlich klar, dass Handlungsbedarf besteht. Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen (KVHB) wird nach Lösungen gesucht, doch die Meinungen über die richtigen Maßnahmen gehen auseinander.

Bernhard schlägt vor, medizinische Versorgungszentren (MVZ) unter kommunaler Aufsicht zu schaffen. Diese MVZ sollen eine Vielzahl von Fachleuten, darunter Ärzte, Logopäden und Ernährungsberater, an einem Ort bündeln. So könnte die Arbeitslast der Ärzte verringert werden, damit sie sich auf ihre eigentlichen Tätigkeiten konzentrieren können. Ein zentraler Punkt in Bernhards Plan ist auch, dass die politische Mitbestimmung über die Standorte und Fachrichtungen der MVZ gestärkt werden soll. Doch die KVHB lehnt eine solche politische Einmischung ab und betont die Wichtigkeit der freien unternehmerischen Arztpraxis.

Ärztemangel und seine Ursachen

Der Ärztemangel ist in bestimmten Stadtteilen Bremens ein drängendes Problem, das nicht hinreichend adressiert wird. Aktuell sind bundesweit über 5.000 Hausarztsitze unbesetzt, und die Situation könnte sich bis 2040 weiter verschärfen. Eine Studie des Barmer Instituts für Gesundheitssystemforschung und der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass besonders Kleinstädte und ländliche Regionen stark betroffen sind. Die Hauptgründe sind eine bevorstehende Ruhestandswelle und die sinkenden Wochenarbeitszeiten der Ärzte.

Die Diskussion um die Deckung des Bedarfs wird zusätzlich durch die Tatsache erschwert, dass aktuelle Vorgaben zur Anzahl der Ärzte nicht die Verteilung in einzelnen Stadtteilen berücksichtigen. Kritiker bemängeln, dass die Selbstverwaltung der Ärzte nicht den gesetzlichen Auftrag zur Patientenversorgung erfüllt. Die KVHB fordert staatlich finanzierte Anreize, wie finanzielle Zuschüsse und Wohnungs- sowie Kindergartenplatzgarantien, um Ärzte in unterversorgte Regionen zu locken.

Qualität der medizinischen Versorgung

Doch nicht nur die Quantität ist entscheidend; auch die Qualität der Behandlungen bleibt ein zentrales Thema. In Deutschland variiert die Qualität der medizinischen Versorgung stark. Zum Beispiel ist das Sterberisiko bei Darmkrebsoperationen in Kliniken mit wenig Erfahrung um 59% höher als in erfahrenen Häusern. Mindestmengen für bestimmte Operationen wurden eingeführt, um gravierende Qualitätsunterschiede zu reduzieren, doch für die meisten Eingriffe gibt es keine solchen Vorgaben. Die Diskussion über eine qualitätsabhängige Vergütung von Ärzten und Kliniken ist noch nicht zu einem Ergebnis gekommen.

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Gerade in der hausärztlichen Versorgung zeigt sich, wie wichtig eine gute medizinische Infrastruktur ist. Christoph Straub, der Chef der Barmer, hebt den Handlungsbedarf zur Verhinderung von Unterversorgung hervor. In ländlichen Regionen ist die Situation besonders angespannt; 13 Prozent der sehr ländlichen Gemeinden haben keinen Hausarzt mehr. Prognosen deuten darauf hin, dass die hausärztliche Versorgung in Westdeutschland bis 2040 ähnlich schwierig sein könnte wie in Ostdeutschland.

Ein Ausblick auf die Zukunft

Um dem drohenden Mangel an Hausärzten entgegenzuwirken, sollten jährlich etwa 160 junge Ärzte gezielt für unterversorgte Regionen gewonnen werden. Vorschläge für Anreize beinhalten unter anderem die Übernahmemöglichkeit einer modernen, digital ausgestatteten Praxis, Teilzeitarbeit und die Entlastung durch Digitalisierung. Die Gespräche zwischen KVHB und Politik zeigen, dass eine Bereitschaft zur Zusammenarbeit besteht, um Lösungen zu finden.

Die Herausforderungen im Gesundheitswesen erfordern ein gemeinsames Engagement von Politik, Ärzteschaft und der Gesellschaft. Nur so kann sichergestellt werden, dass die medizinische Versorgung in Bremen und darüber hinaus auch in Zukunft auf einem hohen Niveau bleibt und die Patienten bestmöglich betreut werden.